Winterzauber – Heimat

Winterzauber.

Feine Flocken fliegen leise durch die kalte Luft. Es ist Winter geworden. Sogar die Stadt wird von klirrender Kälte gelähmt. Ruhig liegt die Allee da, kein Auto ist an diesem Sonntagabend unterwegs. In manchen Fenstern brennt noch Licht. Im Schein der Straßenlaternen flimmert der Schnee, wie kleine weiße Pixel.

Ich vermisse diese Abende, an denen ich alleine durchs Dorf ging. Nach Hause. Wenn es dann schneit und es ist Dezember, ist die Welt erfüllt von einer unglaublichen Ruhe. Man kann fast sein eigenes Herz schlagen hören, während die Schritte im Schnee knirschen. Im Licht der Straßenlaternen tanzen tausend Schneeflocken. Alles dunkel, der Wind pfeift manchmal – Einige erleuchtete Fenster und der Trubel des Tages ist verklungen. Die Haut spannt bei der Kälte, jeder Schritt im Schnee kostet doppelte Kraft. Irgendwo, ein paar Straßen weiter fährt der Schneepflug vorbei. Ein Hund bellt. Dann wieder Stille. Schneeschaufeln stehen überall in den Hauseingängen. Manche Autos haben flauschige weiße Hauben, genau wie die Hecken, die die Schneelast jedes Jahr aufs neue tragen. Ein Vogel hat seine Spuren in den Schnee gedrückt. Die Spinnennetze in den Bäumen und Sträuchern sind gefroren und glitzern im Licht. Einige Schlittenspuren vom Tag, doch die Kinder schlafen längst. Eine Kurve noch, eine tiefverschneite Bank bei der Laterne, dann die große Biegung bei der hohen Hecke.

Zwei Laternen leuchten an einem Haus ein paar hundert Meter weiter die Straße entlang. Beim Näherkommen kommt ein kleines Licht dazu. In einer Laterne im Fenster brennt eine weiße Kerze. In der Hecke glitzert eine Lichterkette. Aus dem Kamin quellen dicke weiße Wolkenbüsche in die Nacht. Auf dem Hof huscht eine Katze vorbei. Die Türklinke ist kalt. Innen zieht ein Duft von Tee durch die Stuben. Tür zu. Klaklonk, der Riegel ist vorgeschoben. Das Gesicht brennt und wird rot. Nun ist der Zauber des Moments vorbei, doch ein neuer Zauber beginnt zu wirken. Kirschkernkissen und ein warmes Bett mit Blick auf tanzende Schneeflocken oder einen tiefblauen Sternenhimmel. Ab und zu ein Rauschen im Kamin. Und dann ein tiefer Schlaf, aus dem mich unter diesem Dach kein Sturm weckt.

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