Sonnenblumen

Landmaries Garten (5) – Der Luxus unserer Zeit

Luxustage.

Kaum zu glauben: Irgendwann im Juli kam der erste Gartentag, an dem ich nichts tat. Nichts außer ausreichend wässern. Die Pflanzen und mich. Die Sonne meinte es diesen Sommer außergewöhnlich gut und so gab es sogar Tage, an denen ich zwei Gießdurchgänge machte. Das Gemüse dankte es mir wenig später mit einer wunderbaren Ernte. Jede Woche kam nun irgendein Gartengemüse auf den Tisch. Besonders Spaß gemacht hat die Salatzubereitung direkt im Garten. So ein 5 Minuten frisches Salatblatt zu genießen empfand ich beinahe als Luxus.

Mein Gewissen ließ es nicht zu die frischen Mangoldblätter über meinen Frankreichurlaub verwelken zu lassen. Also hing zwei Tage später ein Beutel voll Mangold in einem französischen Pinienwald und machte am Abend eine Menge hungriger Camper glücklich. Am nächsten Abend gab’s Kohlrabi. Zum Glück kümmerte sich während meiner Abwesenheit ein Freund um die Bewässerung der Gartenvitamine. Einige Regenschauer unterstützen ihn dabei, sodass mich Gemüse und Unkraut nach zwei Wochen gut versorgt begrüßten. Der Sommer war in vollem Gange und so stand zusätzlichem Urlaubsgenuss im heimischen Garten nichts im Wege. Ich bemühe mich die Eindrücke zu speichern und ab und zu zurückzudenken an die Stunden unterm Kirschbaum. Mit den Füßen im kühlen Wassereimer ließ sich ein Donnerstagnachmittag wunderbar aushalten. Wieder so ein fast verlorener Luxus.

Mangoldbeet
Mangoldbeet

 

Kohlrabi
Kohlrabibeet

Ab und zu ein bisschen Unkraut zupfen, Rasen mähen und Gemüsenachschub pflanzen. Viel mehr gab es nicht zu tun. Nein, viel mehr wollte ich nicht tun. Für dieses Jahr sollte Schluss sein mit Baustelle. Die noch ausstehenden Projekte schob ich auf den Herbst oder das nächste Frühjahr oder den Sommer… Ich hatte endlich gelernt zufrieden zu sein mit dem, was in den letzten Monaten hier entstanden ist. „Es ist zum Weinen schön“ sagte meine Mutter am 30. Juni. Und sie hat Recht. Viele wunderbare Stunden hat mir der Garten dieses Jahr beschert. Frühe und späte, laute und leise. Besonders friedlich sind die Vormittagsstunden. Es ist ruhig, manchmal läuten die Glocken einer nahegelegenen Kirche und in der Nachbarschaft spielt jemand Klarinette. In diesen Momenten ist es fast dörflich und es fehlt eigentlich nur ein vorbeirauschender Traktor. Mit einem Lächeln schaue ich mich dann um und grabe weiter in der Erde. Mit einem Lächeln war es nicht getan, als ich eines Tages den Hauptweg entlanglief und meine riesenhaftigen Sonnenblumen sah, die in den letzten vier Tagen in die Höhe geschossen waren. Ich lachte laut, freute mich und staunte, dass aus diesen Minipflänzchen solch prächtige Blumen geworden waren. Und es war, als lache die Natur zurück, als ein Windstoß durch die Blätter fuhr. Luxus? Ja, genau!

Gartenweg in Landmaries Garten

Landmaries Garten im August
Landmaries Garten im August

Das klingt alles sehr poetisch, kann man meinen. Ist es vielleicht auch. Dabei ist es tatsächlich so gewesen. Der Luxus liegt in den verborgenen Details. Wir brauchen mehr davon im Leben. Jeden Tag sollten wir über raschelnde Blätter, Eichhörnchen-Besuch und einen vollen Erntekorb lachen können. So laut, dass es ansteckend ist und als Sommerlachen die Winterstunden erfüllt. Die Tage werden kürzer, die Menschen gemütlicher und der Wind kälter. Der Kirschbaum schüttelt seine Blätter auf die Wiese, der Mangold wächst immer noch und die Grünkohlpflänzchen werden kräftiger. Das Kartoffelbeet ist leer – viel haben die Wühlmäuse mir nicht übrig gelassen. Bald werden Bäume und Hecken geschnitten, die Laube aufgeräumt und die Blätter zusammengekehrt. Dann kann sich die Welt vom Wachstum erholen.

Es wird nicht mehr lange dauern bis man den nächsten Frühling in den Knospen der Bäume erkennen kann. Landmaries Garten hat ein altes Gefühl zurückgebracht: Heimat ist dort, wo man die Jahreszeit am Duft erkennt und dabei eine Gänsehaut bekommt.

Hortensienblüte im September
Hortensienblüte im September

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